Bootshaustag am 16.10.2021

Hallo liebe Paddlerinnen und Paddler,

wir wollen am Samstag, d. 16. Oktober 2021 ab 10:00 h einen Bootshaustag abhalten. Einfach mal wieder treffen, das Bootshaus putzen usw. und hinterher einen kleinen Imbiss einnehmen. Ich selbst bin 2x geimpft und Johann will Corona-Tests mitbringen, die nutzen kann, wer möchte.

Die Teilnahme ist absolut freiwillig, wer sich beim Gedanken daran unsicher oder gesundheitlich angeschlagen fühlt, kommt einfach nicht.
Bei Nicht-Erscheinen muss nichts gezahlt werden. Wer Atemwegs- und Erkältungserkrankungen hat, bitte zu Hause bleiben.

Ich freue mich auf einen gemeinsamen Vormittag, Christian, Bootshauswart

Jütlandreise 2018

Im heißen Juli 2018 paddelten wir (2 HDK’ler, Christian und Johann) entlang der Ostküste von Jütland nordwärts. Ob es die starke UV-Strahlung, die Wärme oder einfach Zufall war, es gab auf dieser Tour eine Reihe seltsamer Begegnungen und Erlebnisse. Die Skizzen und Beschreibungen geben einige Eindrücke wieder.

1.Tag. An der alten Kirche in Neukirchen summen Bienen in den Linden und daneben führt eine steile Treppe hinunter zum Strand der Flensburger Förde; hier schließe ich mich Christian an, der mit „Alberta“ bereits von Kiel aus losgepaddelt ist. Wir queren nach Dänemark, rechts liegt der Leuchtturm Kalkgrund im gleißenden Licht und vor uns erheben sich die Hügel von Düppel mit der weißen Windmühle und einer großen wehenden dänischen Fahne. Ab Sonderburg bietet das linke Ufer des Alsensundes Schutz vor dem böigen Westwind. Ein gelbes Quietscheentchen ist an einen Steg angebunden und auf einem Pfahl steht ein metallener Vogel mit einem wehenden Seidenschal, der aber die Möwen von den übrigen Sitzgelegenheiten nicht vertreiben kann. Am Nordende des Alsensundes liegt am Steg vertäut das Wikingerschiff Nydam Tveir (Nachbau, das Original liegt in Schloss Gottorf). Der Drache am Namenszug und ein ernster hölzerner Wikingerkopf raten uns, auf Arnkil zu zelten und nicht weiter gegen den Wind anzupaddeln.

2.Tag. In der Morgenfrühe tönt Gebell von Rehen aus den Nebelschwaden, die über der braun versteppten Wiese am Naturzeltplatz hängen. Später weht uns aus dem Alsenfjord steter Gegenwind in die Gesichter, der die Fähre „Bitten Clausen“ aber nicht davon abhält, geschäftig zwischen Alsen und Ballebro (Jütland) hin- und her zu pendeln. Bitten Clausen (1912 – 2016), geb. Dorothea Emma Andkjær, war die Frau des Danfoss-Gründers Mads Clausen. Mitten im Alsenfjord liegt die Boje „Dyvik Badelaug“, doch wo ist der Badestrand dazu geblieben? Wir finden ihn am Südende des Abenraa Fjordes, wo Kinder in der Mittagshitze am Strand plantschen. Bei der Querung dieses Fjordes mit seinem fast spiegelglatten Wasser begegnet uns – pfufffff – ein Schweinswal, und vom fernen Ende der Bucht grüßt eine Art trojanisches Pferd aus Metall, ein riesiges Gestell, das neben einem Kraftwerk auf Pontons treibt. Nach kurzer Rast an einem einsamen bewaldeten Kap am Nordende des Fjordes queren wir zur Sommerinsel Barsö, deren Hafenbecken ein Junge mit Schwimmflossen und Taucherbrille absucht. Ein Lilienemblem ziert die verwitterte Fassade des Hafenhauses, die winzige Personenfähre legt an, so dass der wartende Trecker die wenigen Passagiere abholen kann. In der Abendsonne leuchten die Hänge der Steilküste von Jütland, die wir später ansteuern, um ein einsames Nachtlager unter sich neigenden Bäumen zu finden. Einsam? Nein, da kommt doch ein herrenloser Dackel durchs Gestrüpp und muss alles anbellen und beschnüffeln, bis Herrchen ihn doch irgendwann mit einem Kanu abholt.

3.Tag. Trinkwasser brauchen wir bei dieser Hitze – und bekommen es am sonnigen Morgen in einem Ferienlager für Jugendliche. Beim Lospaddeln wate ich versehentlich in Feuerquallen, was noch zwei Tage lang wie Brennnesselstiche zu spüren sein wird. Dann halten wir auf ein einsames heidebewachsenes Kap mit einem Strandsee zu, an dem ein gelbes Sperrkreuz vor einem Schießgebiet warnt (Brunbjerg). Das Wasser ist glatt, doch die Strömung zieht kräftig entlang des einsamen Strandes, wo Schwäne rasten und Möwen und Seeschwalben sich auf Pfählen von Stellnetzen ausruhen. Das Kontrastprogramm folgt später am Strand des Campingplatzes von Arösund: Menschengedränge, Trubel, laute Musik, bellende Hunde, ploppende Bierflaschen, schreiende Kinder, knallbuntes Spielzeug und Sonnenschirme, doch kann man hier einkaufen und die Vorräte ergänzen. Mit aufkommendem günstigen Wind und Hilfssegeln verlassen wir den Arösund und passieren das auf einer Sandbank gestrandete Wrack eines Kutters, welches nach Öl riecht. Beim Haderslev Fjord umschiffen wir die eben sichtbaren Steine einer Untiefe, kürzen auch die Hejlsminde Bucht ab, und lassen die einsame Insel Brandsö an Steuerbord im kleinen Belt liegen. Die bewaldete Küste von Jütland zeichnet sich links dunkel und schattig gegen den Abendhimmel ab, der Wind schläft ein und es wird etwas schwül. Da taucht ein glatter schwarzer Kopf aus dem Meer und beäugt uns Paddler neugierig, als sich kurz darauf das Meer heftig kräuselt und eine Bö unvermutet von vorne die Hilfssegel trifft. Wollte der Seehund uns warnen? Wir landen an einem schmalen Strand und errichten unser Lager an einer kleinen Hütte, die Kinder aus Binsen und Ästen errichtet haben.

4.Tag. Die Sonne steigt als roter Ball aus dem Meer. Ein gelbes Kajak mit einem älteren Mann taucht auf, der anlegt und sich unaufdringlich nach unserem Woher und Wohin erkundigt, nach den Booten und unserer Ausrüstung. Er ist ein früherer Seemann, der den kleinen Belt sehr gut kennt und früher oft nach Barsö zum Pfingstfest ruderte. Da der Fernseher in seinem Wochenendhaus streikt, weiß er leider die Wettervorhersage nicht. Wir packen und paddeln auf das Nordende des kleinen Beltes, den Snövring, zu. Es ist Sonntag, Verkehr und Besiedelung werden dichter, Motorboote, Segler und einige Schlepper sind unterwegs, und ein Boot hat eine ungewöhnliche Flagge mit blau-rotem skandinavischen Kreuz auf weißem Grund, nämlich die der Färöer-Inseln. Wir passieren Fänö auf der Ostseite; die Brücke von Middelfart dröhnt über uns, als die Eisenbahn sie passiert. Noch gewaltiger wirkt die Hängebrücke der Autobahn E20. Eine starke Nordströmung trägt unsere Boote allmählich dem weißen Leuchtturm von Strib entgegen, wo wir spätnachmittags am Strand anlegen.

Zwei Paddlerinnen kommen in Gegenrichtung kräftig paddelnd kaum gegen den Strom an. In der Enge des Snövring wirkt das Wasser sehr kabbelig und unruhig, große Strudel bilden sich und verschwinden plötzlich wieder. Wieder brauchen wir Trinkwasser und füllen Wassersäcke und Flaschen aus dem Gartenschlauch auf bei einem freundlichen Dänen, der uns sagt, dass wir bedenkenlos nach Fredericia queren können. Kurz entschlossen queren wir über Wellen und Strudel zum Öl- und Gashafen von Fredericia und halten dann in der Abenddämmerung nordostwärts entlang einer einsamen bewaldeten Steilküste auf Trelde Näs zu, das Kap am Ausgang des Vejlefjordes. Zwischen Bäumen, die ins Meer gestürzt sind und verwittern, liegt eine angetriebene gelbe Sperrgebietstonne am Strand. Hier handelt es sich um eine militärische Wildnis, ein Schießgebiet, das momentan nicht genutzt wird. Aus dem Vejle-Fjord bläst uns heftiger Wind entgegen, so dass wir auf Trelde Näs bleiben, wo Tisch, Bänke und ein Mülleimer vorhanden sind.

5.Tag. Knirsch knirsch knirsch pfeifhuiiiih PluPP…… Das Geräusch hat mir nachts, unter dem Tarp liegend, den Schlaf geraubt. Angler stiefeln den Kieselsteinstrand entlang und schleudern ihre Wurfangeln. Bis in die Morgendämmerung wiederholt sich das Geräusch einmal näher, einmal ferner. Der Morgen ist rau, grauer Himmel, Wolken, Wellen und Gegenwind versuchen uns aus dem Vejlefjord ins Kattegat hinaus zu drücken. Mühsam arbeiten wir dagegen an, die Boote stampfen in den Wellen, Steilküste, Ferienhäuser und ein rot-weißes Badehotel passierend. Dann entschließen wir uns, den Fjord nordwärts zu überqueren. Nach etwa einer Stunde haben wir die Überfahrt geschafft und legen am Strand an, wo eine bienenkorbartige Standhütte, kunstvoll aus Ästen geflochten, zum Rasten einlädt. Inzwischen ist es auch freundlicher geworden, die Sonne scheint. Wir setzen Hilfssegel und der leichte achterliche Wind treibt uns längs der bewaldeten Küste rasch auf Björnsknude und Juelsminde am Nordende des Fjordes zu. In der Ferne ziehen die Silhouetten voll aufgetakelter Traditionssegler vorbei, die um Fünen segeln, ein schöner Anblick. In Juelsminde ist es drückend heiß, Wohnmobile stehen dicht an dicht, Menschen drängeln sich um das Hafenbecken in Fischrestaurants und Eisdielen, Kinder spielen auf großen bunten aufgeblasenen Hüpfburgen und Rutschen, aber hier können wir einkaufen und einen Wasserhahn zum Füllen der Trinkflaschen nutzen. Bei schwüler Hitze verlassen wir den Strand von Juelsminde und halten auf das bewaldete spitze Kap Ashöved zu. Dort stürzt der Wald die Steilküste hinunter ins Meer, geflügelte Ameisen sind unterwegs, und Uferschwalben schwirren über den Strand, der voll gefallener Bäume liegt. Ein einzelner Bernsteinsammler ist an diesem einsamen Kap unterwegs und stiefelt über die gestürzten Baumstämme. Hier bleiben wir, als die Abendkühle kommt. Die von Christian errichtete Steinmole verschwindet bald im steigenden Wasser, das auch fast seinen Schlafplatz erreicht, denn der Tidenhub beträgt hier knapp 0,5 m.

6.Tag. Um 5.30 Uhr taucht die Sonne aus dem Meer auf und lässt die Steilküste rot aufglühen, aber dann ziehen Seenebelschwaden auf und verschleiern die Sicht. Aus dem geisterhaften Morgennebel tönt gelegentlich das Rumpeln der Winde eines Kutters, der an einer Fischzuchtanlage arbeitet. Später setzt sich die Sonne durch und wir paddeln über das ölglatte Wasser zur Mündung des Horsens-Fjordes. Eine Insel, geformt wie ein Stiefel? ein liegender Bundschuh? Es ist nicht Italien, sondern Endelave im Kattegat. Im kleinen Hafen Snaptun liegt die bullige gedrungene und hochseetüchtige Fähre dorthin.

Möwenschwärme fliegen auf, als uns zwei Standup-Paddler entgegenkommen. Mit seitlichem Wind queren wir dann den weiten Fjord von Horsens; an Backbord liegen einige flache Vogelinseln und langsam taucht das bewaldete Ufer der Nordseite aus dem Dunst auf. Das Laub mancher Bäume ist schon rötlich und bräunlich gefärbt, so dass ich das Gefühl habe, in eine andere Jahreszeit, den Spätsommer, zu fahren. Am Ufer schwappt Wasser in ein angetriebenes verlassenes Kajak, dahinter laufen Pferde auf einer braunen vertrockneten Weide. Mühsam arbeiten wir uns nun gegen den Wind entlang des Waldrandes aus dem Fjord von Horsens heraus und legen schließlich müde in einer Schilfbucht mit flachem tangbraunen Wasser an (Kalsenakke). Kondensstreifen zeichnen ein gigantisches Kreuz – Sperrgebiet – an den Himmel über dem Kattegat. Dazu holt Christian aus der Bilge eine zerknitterte Kekspackung mit dem Aufdruck „für die besonderen Verwöhnmomente“, also erschöpft zwischen Tang und Matsch. Das Wasser fällt wegen der einsetzenden Ebbe und wir haben daher Mühe, die Schilfbucht nach der Mittagsrast zu verlassen.

Wir paddeln nordwärts Richtung Aarhus und umrunden dabei schlickige Wattflächen mit vorgelagerten Kies- und Sandbänken. Beim Hafen Hov wollen wir eine Umfahrung abkürzen und paddeln im flachen Wasser durch Algen und Schlick über das landseitig hinter einer Sandinsel liegende Watt, während wir von auf Steinen hockenden Vögeln beäugt und – ausgelacht! – werden. Denn die Ebbe ist schneller, und als wir im weichen Schlick trocken zu fallen drohen (was einer Strandung gleich käme), kehren wir schleunigst um und erreichen mit Mühe, die Boote treidelnd, wieder tieferes Wasser. War da nicht ein hämisches Gackern und Quäken zu hören? Wir nehmen den Umweg um die Sandbank in Kauf und lassen vor uns die Fähre nach Samsö passieren. Abends rasten wir am Strand von Kysinge unterhalb einer Steilküste, über die immer wieder Menschen äugen, denn oben finden sich ein Parkplatz und ein Landgasthof. Ein Paar mit einem Inuitjungen trinkt abends Bier am Strand, dann wird es still und ich schlüpfe neben dem Kajak unter mein Tarp.

7./8.Tag. Morgens brummen zwei Hummeln im Duett und besuchen die violetten Blüten der Büsche am Fuß der Steilküste. Krabben haben nachts merkwürdige Spuren im Sand hinterlassen. Es ist ein heller früher Sommermorgen und wir bekommen Wasser von den freundlichen Wirtsleuten des Landgasthofes spendiert. Nach Meeresbad und Frühstück beschließen wir, nicht nach Tunö und Samsö zu paddeln, sondern in Richtung von sieben großen metallenen Giraffen, die sich am Horizont abzeichnen. Es sind Kräne des Hafens von Aarhus, der langsam näher rückt. An einem Strand mit Holzbuden und Booten liegt das zerschellte Wrack eines Segelbootes, und nebenan sind die weißen und braunen Zelte eines Wikingerlagers aufgebaut. Die Bewohner tragen dazu passende Tracht, nur die Bademode der Wikinger ist nicht ganz stilecht. Aufgepasst, ab und zu rollen mächtige Wellen der Schnellfähre nach Seeland den Strand hinauf, dann muss man Kajaks, Matten, Handtücher und Kinder vor dem Fortspülen sichern; ein Paddler hatte uns eindringlich davor gewarnt. Im Bereich einer Großstadt ist es schwer, einen Übernachtungsplatz zu finden, und der Kajakclub Viking hat leider keine Zeltwiese. Wo können wir nur bleiben? Im Seglerhafen spricht Christian eine Frau im roten Sommerkleid an, die sich mit einer Segeljolle und zwei unerfahrenen Mitseglern abmüht, wobei sie Englisch redet. Lotta kommt aus Estland und studiert in Aarhus. Spontan bietet sie uns Unterkunft im Studentenwohnheim an, was wir erleichtert und dankbar annehmen. Als die Crew von ihrem Segeltörn zurück ist, wandern wir zum Wohnheim, nachdem die Kajaks im Schuppen des Segelvereins verstaut sind. Der folgende Tag in sommerlichen Aarhus war interessant (Leihfahrräder, botanischer Garten, Gewächshaus, Kirchturm…), gehört aber nicht zur eigentlichen Paddeltour.

9.Tag. Unsere Boote sind unbeschadet bei den Seglern geblieben und wir starten vom Jollensteg aus, nachdem wir uns von unserer Gastgeberin verabschiedet haben. Endlos müssen wir dann entlang der Hafenmole paddeln, passieren den Wasserflughafen, und begegnen der gefürchteten Schnellfähre genau beim Auslaufen. Glücklicherweise fährt sie langsam und ihre Wellen sind eher ein gewaltiges Heben und Senken als Brecher, die auf die Findlinge der Hafenmole schlagen. Dann gilt es noch die unbekannte Fahrrinne des Seehafens rasch zu queren, was ein ungutes Gefühl weckt, und anschließend umrunden wir das Feld einer internationalen Segelregatta. Zurück blickend sehen wir die moderne Hafencity von Aarhus, die mit ihren dreieckigen Hochhäusern und Kränen wie ein futuristisches Riesenspielzeug wirkt, vor dem die bunten Segelboote entlangsausen.

Nachdem wir das Regattafeld der bunten kleinen Segler umfahren haben, queren wir die Kalö-Bucht mit ihren zunehmend kabbeligen Wellen und machen Pause an einem kleinen Kap, wo überraschend wieder „Tsunami-Wellen“ der Schnellfähre nach Seeland auf den Strand rollen und die Boote misshandeln. Man sieht sie nicht kommen und dann sind sie plötzlich ganz groß. Bei stetem Gegenwind geht es nachmittags weiter in die Begtrup Bucht, wo wir müde geworden am Fuß einer abgelegenen, mit Büschen bewachsenen, Steilküste den Platz für die Nacht finden. Abends warte ich am Feldrand stehend lange auf die Mondfinsternis, der Erdtrabant zeigt sich später als roter Blutmond. Vorher aber rattert der örtliche Bauer auf seinem Quad über die weiten Stoppelfeder heran und fragt erst auf Dänisch, dann auf Englisch misstrauisch: „What are you doing here?“ Ich erkläre die Lage und er sagt „Ok, you do not look like a hunter. But do not make fire.“ Er hielt uns für Wilderer…

10.Tag. Klar, bei der Trockenheit zündeln wir nicht. Am nächsten Morgen passieren wir die Wattflächen der Begtrup Bucht, sehen Luftspiegelungen, baden mittags an sonnigen Südsee-Sandstränden am Fuß der Molsberge und halten später auf den Leuchtturm von Sletterhage zu, wo uns Frachtschiffe dicht unter Land begegnen. Eine Betonröhre, ein ehemaliger Bunker, wirkt dort als Unterschlupf wenig einladend. Für den Nachmittag gibt es eine Sturm- und Gewitterwarnung, die uns unruhig macht. Wir paddeln unter Hilfssegeln in der Schwüle weiter die Steilküste entlang, an der Möwen und Schwalben wild kreisen (vielleicht das Unwetter ahnend) und landen schließlich an einem kleinen Strand mit einer kaum auszumachenden Zeltwiese; hinter Hagebuttensträuchern schlagen wir dort die Zelte auf. Kaum sind wir damit fertig, bricht das Unwetter mit Regenschauern und Windböen über die Bucht von Ebeltoft herein. Das war gerade noch rechtzeitig!

11.Tag. Der nächste sonntägliche Morgen zeigt sich sonnig und ein deutsches Paar, das seit Jahren an diesem abgelegenen Strand Urlaub macht, bringt uns netterweise eine große Tüte Brötchen zum Frühstück mit. Das ist ein Luxus! Frisches Wasser bekommen wir an einem Ferienhaus am Hang, dessen Bewohner uns vor dem Gewitter heransegeln sahen. Da die Bucht von Ebeltoft doch sehr breit wirkt, fahren wir sie aus und nutzen dabei zunächst den angenehm schiebenden Wind, Schweinswalen und an Netzrändern wippenden Bojenreihen begegnend. Ebeltoft zeigt sich interessant, aber nicht sehr einladend mit seinem vollen Campingplatz an einem Strand voller Tang. Im Museumshafen liegen das Feuerschiff „Skagen Rev“ und die imposante Fregatte „Jylland“ (Segelschiff der Marine des 19. Jahrhunderts), deren Galionsfigur stolz und ungerührt über kleine Kajakmenschen hinwegblickt.

Weiter geht es am Nachmittag durch flaches Wasser, Vögel stehen auf Sandbänken mitten im Meer, und an einem Fährhafen vorbei, der wieder durch schier endlose Steinmolen umgrenzt ist, auf denen große Windräder installiert sind. Wird die bedrohlich aussehende Katamaranfähre nach Seeland im falschen Moment losfahren? Sie tut es nicht, so dass wir das offene Kattegat erreichen. Auf der Steuerbordseite liegt die Leuchtturminsel Hjelm, die gerade von einem Schiff angebaggert werden soll, das Christian allerdings mit energischen Paddelschlägen vertreibt (Beweis siehe Bild). Wind kommt erneut auf, und abends erreichen wir den steinigen Strand von Boeslum, wo das Meer meterhohe Kies- und Geröllbänke aufgeworfen hat. Ich lege mich unter mein Tarp neben das Boot, aber die nächtliche Brise lässt die Zeltbahn so kräftig flattern, dass ich nur wenig schlafe.

12.Tag. Müde brechen wir an einem Montag, dem letzten Paddeltag, in Richtung Grenaa auf. Die Küste ist einsam, meist steinig, hier und da bewaldet, und zur Abwechslung passieren wir eine abgelegene Jagdhütte, eine aufgeblasene Riesengiraffe, die auf einem Campingplatz wohnt, und schließlich noch die Anlegebrücke eines verlassenen Kieswerkes, auf deren Förderbändern und Geländern schwarze Kormorane neben einer einzelnen weißen Möwe Spalier stehen.

Es weht kein Wind mehr, die Luft scheint zu stehen, aber dennoch ist das Anlanden wegen der Dünung schwierig, denn das Boot kracht dabei auf fußballgroße Steine. Unser Ziel Grenaa rückt unendlich langsam näher, aber schließlich landen wir am dortigen Sandstrand. Ich bin drauf und dran, mir den Luxus eines Scandic-Hotels mit Bett und Dusche zu gönnen, aber wir bleiben schließlich in der Marina des Segelhafens. Mühsam ist es, die schwer bepackten Boote die steile schlickige Rampe hinauf zu ziehen. Glück haben wir, denn der Hafenmeister weist uns freundlich eine kleine vertrocknete Zeltwiese mit Tisch und Bänken zu, Duschen gibt es auch, und die Boote lagern sicher zwischen dem Gerümpel der Bootstrailer, rostigen Metallgestelle und Schiffsreste, das so typisch für kleine Häfen ist. Abendliche Attraktionen von Grenaa sind eine Abwrackwerft, ein alter Seenotrettungskreuzer, Spezialschiffe für Ölplattformen und Off-shore Windräder, rote Lotsenboote, eine museumsreife Eisenbahnfähre, wieder endlose Molen und die Fähre nach Anholt. Ein pfeiferauchender Inuit und sein junger Begleiter mit verspiegelter Sonnenbrille (cool!) tuckern mit ihrem Fischerkahn auf das Kattegat. Wir sind nun am „richtigen Meer“ angekommen, und hier endet unsere Tour auch.

Es bleibt noch zu sagen, dass die Rückfahrt mit Bus und Bahn nach Flensburg an einem halben Tag wie im Flug verläuft, gefühlt rasend schnell nach Aarhus, durch Horsens und am Vejle Fjord vorbei, über den Snövring bei Fredericia, durch die Passkontrollen (Militär in Padborg) und von Flensburg per Taxi nach Neukirchen, und gleich wieder mit dem Auto zurück nach Grenaa, und abends und nachts wieder nach Kiel zurück, damit dreimal am Tag die Strecke umfassend, die mit dem Kajak viele Tage lang gedauert hatte. Das „normale Tempo“ hat damit wieder eingesetzt…

 

Nikolauspaddeln

 

 

Am 10. Dezember trafen wir uns trotz Böen 8 am Bootshaus,

 

 

 

 

besichtigten den Steg und die Wellen…

…fanden drinnen einige Flaschen Glühwein samt Herdplatte. Jemand hatte zufällig selbstgebackene Kekse dabei, jemand anders Ingwergeleebonbons…

 

 

 

…dann gab es noch einen Spaziergang samt Paddel.

 

 

Nur in unseren Booten haben wir aber auf Grund des Sturmes nicht gesessen.

Sperrung der Schwentine

Liebe Paddelfreunde,

wer jetzt im Herbst den Stürmen ausweichen und auf der Schwentine paddeln möchte, sollte wissen: Die Schwentine wird im Bereich der Eisenbahnbrücke Oppendorf gesperrt. Und zwar von Mittwoch, 26. September 2018 bis Freitag, 28. September und nochmals von Montag, 15. bis Donnerstag, 18. Oktober.

Zudem kann es in der Zeit vom 29. September bis 14. Oktober, vom 19. bis zum 24. Oktober sowie am 1. November zu kurzfristigen baubedingten Sperrungen kommen.

Mehr unter dem Link

https://www.kiel.de/de/politik_verwaltung/meldung.php?id=82591

Schwentinebruecke mit Geruest

Eingerüstete Eisenbahnbrücke über die Schwentine

Dänische Inselträume

Im leicht verregneten und windigen Sommer 2017 hatten wir, zwei Vereinskameraden des HDK-Kiel, beide schon jenseits der 50, uns etwa zwei Wochen Zeit genommen, um in Seekajaks die dänischen Inseln Lolland, Falster und Mön zu umrunden. Da zumindest an einigen Tagen entlang offener Meeresküsten auch mit achterlichen Winden auf langen Streckenabschnitten zu rechnen war, wurde Großzehe* mit einem Pacific-Segel ausgerüstet, während Alberta* ja schon länger mit einem Segel ausgestattet ist (*zu Booten und Ausrüstung siehe Anhang). Hier folgen die Eindrücke unserer Fahrt:

Bei grauem Juli-Sommerregen erreichen wir über die Vogelfluglinie Rödby auf Lolland, das vielen nur als platte und langweilige Durchfahrtsinsel bekannt ist: Felder und wenige Wälder säumen die Autobahn in Richtung Kopenhagen, und nur an den Rastplätzen wird Halt gemacht. Wir biegen ab in Richtung Nysted an der Südostecke von Lolland und erreichen diese verschlafene Kleinstadt mit altmodischen Häuschen an gepflasterten Straßen. Das Ziegelrot der nass tropfenden Dächer, weiße Fensterrahmen und bunte Sommerblumen im üppigen Grün bilden eine idyllische Farbkomposition. Am Hafen finden wir einen Rasenparkplatz zwischen Hecken und eine Tischlerin aus der Bootswerft bestätigt uns, dass die Fahrzeuge hier auch zwei Wochen lang stehen bleiben dürfen. Inzwischen hört der Regen auf und so beladen wir die Boote mit wasserdichten Beuteln, Proviant, Zelten, Schlafsäcken, Bootswagen und lassen sie über eine verschlickte Rampe zu Wasser; sie liegen tief und schwer. Da wenig Betrieb im Hafen ist, haben wir Ruhe bei den Vorbereitungen der Abfahrt. An der Bucht des Hafens, die sich nach Süden öffnet, steht steuerbords im Schilf eine etwa 5 m große Holzbake in dreieckiger Pyramidenform aus grau verwittertem Holz, dahinter liegen landseitig ein Park und ein Schloss (ehemaliges Oldtimermuseum), aber am Horizont sieht man die sich drehenden Flügel der Windräder, die 10 km südlich auf der Sandbank Rödsand stehen. Die große Anlage umfasst 162 Windräder, deren fast 70 m hohe Türme auch von Fehmarn aus gut sichtbar sind. Sie wurde von 2003 bis 2010 in Betrieb genommen und jedes Windrad liefert bis zu 2,3 Megawatt, wie eine schon leicht renovierungsbedürftige Ausstellung im Hafen von Nysted zeigt, die auch über Vogelzug, Seehunde und Kegelrobben auf Rödsand informiert. Wir verlassen den Hafen von Nysted zu den Tönen einer Blaskapelle, die Gäste eines Traditionsschiffes grüßt: ein gutes Zeichen. Einsam wird es, als wir mit Kurs Südwest auf die aus unserer Perspektive wahrhaft riesigen Windräder zusteuern, hinter denen sich graue Wolken türmen. Dann erwischt uns eine heftige Regenbö, im Nu ist die Sicht völlig weg und wir steuern im prasselnden Schauer nach Kompass auf ein paar schützende Inselchen zu, die wir aber nicht erreichen. Nachdem es wieder klar ist, ändern wir unseren Kurs zur abgelegenen Spitze der Nehrung von Rödsand, umrunden deren Haken und machen kurz Pause zwischen Tang und Dünensand, um dann westwärts der Küste zu folgen. Am verlassenen Leuchtturm begleitet und beäugt uns eine Weile ein neugieriger Seehund. Weiter geht es in nordwestlicher Richtung entlang einsamer Strände, bis wir abends auf einem Deich östlich von Rödbyhavn zu unserer ersten Nacht dieser Tour die Zelte aufschlagen – abgesehen von dem Reichtum an Mücken ist es ein guter Platz.

Am nächsten Morgen, am zweiten Tag, breitet sich die See still und sonnenbeschienen vor uns aus. Dieser ungeschützte Küstenabschnitt von Lolland könnte bei Südwestwind für Seekajaks sehr ungemütlich sein. Wir haben Glück und erreichen bald Rödbyhavn, wo im kurzen Takt die Fähren der Vogelfluglinie ein- und auslaufen – also schnell die Hafeneinfahrt zwischen den mächtigen Molenköpfen queren. Wir landen am dahinter liegenden Strand kurz an und schauen uns auch den älteren beschaulichen Hafen von Rödbyhavn mit Kuttern und einem Segelschiff an. Weiter geht es bei glatter See und schwüler Luft entlang der Küste. Keine guten Bedingungen für Alberta, die zwar etwas Wind und auch Wellen mag, sich aber bei Flaute nur langsam paddeln lässt. Der Blick zum Land zeigt Gewitterwolken und einmal eine Windhose, die wie ein dunkler Schnorchel aus den Wolken hängt – wenn uns die hoffentlich nicht erwischt! Wir haben Glück, denn es bleibt ruhig. Pfahlreihen ehemaliger Stellnetze ziehen sich vom Strand bis weit in die Ostsee, und noch weiter draußen treibt etwas silbrig-schwarzes auf dem Spiegel der See, das sich als niedergegangener Gasluftballon einer Hochzeit entpuppt. Außerdem fischen wir eine Flaschenpost von Ferienkindern heraus: was alles im Meer treibt! Der Hafen von Kramnitse, den wir mittags anlaufen, ist durch eine gekrümmte Mole geschützt, auf der einige Angler reglos sitzen. Hier stehen noch Holzgerüste und eine halb abgebaute Wasserrutsche eines vergangenen Sommerfestes mit einem Floß (gut zum Anlegen), goldene Stanniolstreifen liegen auf dem Rasen. Fischer entladen Ausrüstung, ein Boot wird gereinigt: ein verschlafener Piratenhafen, in dem wir Wassersack und -flaschen auffüllen. Dann paddeln wir Stunde um Stunde weiter und erreichen am frühen Abend Ydö, von wo aus sich die fast 10 km lange Landzunge Albuen, Ellbogen, nach Nordwesten erstreckt; das westliche Ende von Lolland. Wir folgen dieser Halbinsel und schleppen dann die Boote über die schmale Nehrung ins Söndernor, eine geschützte Bucht. Als wir müde die Landungsbrücke des Naturhafens Albuen erreichen, wird es schon dunkel. Ein paar Häuser und Schuppen und zwei Handkarren stehen dort, aber niemand ist zu sehen, kein Licht, so dass wir die Ausrüstung mit Handwagen zu einer kleinen Zeltwiese mit Feuerstelle schleppen. An der Landungsstelle taucht eine dunkle Gestalt  auf, aber es ist kein erboster Hafenmeister, sondern ein freundlicher Segler aus Wedel, der in der Bucht mit seinem 50 Jahre alten Boot geankert hat.

Am Morgen des dritten Tages heult der Wind, Regen prasselt nieder. An Weiterfahrt ist gar nicht zu denken, wenn man die Schaumkronen auf der bewegten grauen Ostsee sieht. Wir bleiben in den Zelten und versuchen trocken zu bleiben. Geschützt im Wald am Leuchtturm zieht Großzehes Besatzung ein Tarp auf, unter dem man hocken, Kaffee kochen und lesen kann (wissenschaftliche Artikel !). Das Leuchtturmhaus ist erhalten, verschlossen und unbewohnt, aber willkommen und trocken ist das Plumpsklo nebenan. Mittags legt ein kleines Postboot mit einer um so größeren dänischen Flagge an der Brücke an, das eine Gruppe Ausflügler in Regenzeug und Gummistiefeln entlässt. Sie gehen an den Zelten vorbei durch das Wäldchen zum Leuchtturm, verlassen die Landzunge aber nach etwa zwei Stunden wieder. Es regnet und weht weiter, doch wir finden einen nicht verschlossenen und trockenen Raum mit einem traumhaften Ausblick auf den großen Belt. Es handelt sich um einen ehemaligen Küstenwachtturm mit Tisch und Bänken und einem sehr starken und schweren Fernglas auf einem Stativ, das fast einer Lafette gleicht. Von hier aus wurde von einer Besatzung im Schichtbetrieb der gesamte Schiffsverkehr im Store Belt (gegenüber liegt Langeland) überwacht und in Büchern dokumentiert. Insbesondere vorbeifahrende sowjetische Kriegsschiffe wurden identifiziert. Karten zeigen die Silhouetten der damaligen Marineschiffe des Warschauer Paktes. Wir freuen uns sehr über diese Zuflucht, in der wir nach und nach zwei Segler treffen, Volker aus Wedel und Roland, der mit seinem Trimaran in der Bucht liegt. Garn spinnen, Proviant auspacken und warten, dass der starke Wind sich legt. Mit dem Fernglas schauen wir nach Schiffen und nach Kormoranen, die es hier zahlreich gibt. Die Sonne geht als gelbes Feuer zwischen schweren Wolken unter. Wir bekommen nicht heraus, ob der Leuchtturm von Albuen noch in Betrieb ist, sein Licht können wir nicht sehen – vielleicht weil wir zu nahe dran sind.

Am Morgen des vierten Tages klart es mehr und mehr auf, und als das kleine Postboot sich wieder dem Landungssteg von Albuen nähert, sind wir abfahrbereit.  Einige Kronen Liegegebühr bleiben im Briefkasten am Schuppen der Landungsbrücke des Naturhafens, der uns so willkommenen Schutz bot. Bei Sonnenschein paddeln wir nordwärts durch den lieblichen Fjord von Nakskov mit seinen Inseln. Sind sie noch alle bewohnt und bewirtschaftet, fragen wir Paddler uns beim Passieren eines Landungssteges mit einem kleinen Häuschen, das zwischen Linden, Büschen und hohem Gras fast verschwindet; Menschen sieht man nicht. Allerdings sind die Fahrrinnen zu den Landeplätzen noch ausgebaggert und nutzbar, etwas kreuz und quer laufen sie. Am Nordende des Fjordes paddeln wir zum Auffüllen unserer Wasservorräte in den Hafen von Tars nahe dem Fähranleger der Verbindung Lolland-Langeland, an dessen Einfahrt ein lustig geschnitzter Pfahl steht. An der Sliprampe, dem einzigen Anlandeplatz für uns, gibt es etwas Gedrängel, da einige Dänen gerade ihr großes Motorboot vom Anhänger slippen wollen. Alberta und Großzehe verschwinden daher im Dunkel unter einem Holzsteg, während ihre Besatzungen sich mit den Flaschen auf den Weg machen, um Frischwasser zu bunkern. Weiter paddeln wir um die steinige Nordostecke von Lolland und fahren in das Seegebiet des Smålandsfahrwassers ein. Auch hier drehen sich an abgelegenen Küstenstreifen Flügel riesiger Windräder. Weiter draußen wird das Fundament eines Offshore-Windrades demontiert, denn wir sehen den Schlepper, der die Teile langsam zieht. Etwa einen Kilometer vor der Küste liegt die langgestreckte Düneninsel Vensholm mit einem schönen Strand, die wir landeinwärts passieren. Sie ist nicht von Menschen, sondern von Hunderten kreischender Möwen, Kormorane und anderer Seevögel bevölkert, die wir sehen und hören, ohne anzulanden. An einer Stelle ist es so flach, dass die Boote fast auflaufen, so dass wir kurz stoppen, hier ist auch Strömung zu spüren. Etwas später biegen wir in den Hafen von Onsevig. Eine gut gelaunt feiernde dänische Radlergruppe weist uns ein. Wir finden zwei offene hölzerne Shelter in Zeltform, warme Duschen, eine offene Küche, so dass sich das Hafengeld gut auszahlt. In aller Ruhe können wir uns ausbreiten und lassen die letzten nassen Klamotten in der Abendsonne trocknen. Abends kommen noch zwei Däninnen mit dem Auto, die den anderen Shelter nutzen – den teilen sie sich allerdings mit Schwalben, die dort nisten und ein und aus fliegen.

Am fünften Tag scheint morgens die Sonne und es weht ein leichter Westwind, so dass Großzehe erstmals das dreieckige Pacific Action Segel setzt und ein Wettsegeln mit Alberta beginnt. Etwas später trübt es ein und wir queren zur kleinen Insel Ragö, an deren Landungssteg eine halb versenkte zerfallende Schute aus Ferrozement liegt und den Brückenkopf bildet. Ein Trecker, sein Fahrer, ein Junge und ein Hund sind dort zu sehen, scheinbar die einzigen Bewohner dieser sonst verlassenen Insel. Nah an der Betonwand der alten Schute findet sich Schutz vor dem Regen, der nun niederprasselt. Nach kurzem Aufenthalt halten wir, immer noch im Regengrau, Kurs auf die Insel Fejö, wo wir an einem steinigen Strand kurz anlanden. Bei kabbeligem Wasser, Regen und Wind fahren wir weiter Richtung Bandholm; ein Anlaufen der Insel Femö kommt bei dem Wetter nicht in Frage. Dazu kommt uns draußen im ungemütlich vom Wind aufgewühlten Ragösund ein Küstenfrachter entgegen, der sich an die schmale tiefe Fahrrinne halten muss, wie die Seekarte zeigt – ein wasserfester verkleinerter Ausdruck derselben ist auf Großzehes Deck unter die Spanngummis geklemmt. Trotzdem ist der Kurs des Schiffes nicht eindeutig, es wechselt mehrfach etwas die Richtung, kommt dabei aber direkt auf uns zu – das bedeutet Stress, denn wir dürfen ihm ja auf keinen Fall in die Quere kommen. Die Boote tanzen auf den Wellen und es gilt Alberta zu stabilisieren, denn ihr Segel muss gerefft werden, während wir uns dicht an einer Fahrwassertonne halten, die der Frachter ja wohl nicht überlaufen wird. Er passiert nah an uns vorbei und ändert dann nochmals seinen Kurs. Erleichtert halten wir auf die kleine Waldinsel Lindholm zu, wo Albertas Bordsonnenbrille ohne erkennbaren Grund über Bord hüpft. Bald darauf finden wir den Naturzeltplatz von Reersnäs, wo wir die Boote an Land ziehen und an Ästen anbinden – das sollte man tun, denn der Wasserstand ändert sich hier deutlich! Das Lettmann Kajak lag abends auf Stein und Tang und morgens trieb es fast frei im Wasser. Eine Rostocker Familie auf Radtour, mit der wir „schnacken“, nutzt den hölzernen Shelter des Zeltplatzes und eine Gruppe von Pfadfindern die weiter hinten liegenden Hütten und Feuerstellen, während wir unsere Zelte nahe am Wasser aufschlagen. Da inzwischen die Abendsonne wieder scheint, macht sich Großzehes Besatzung auf der Suche nach einem Gemüsestand zu Fuß auf in die Prairie von Lolland. Kornfelder wogen links und rechts des Weges, Grillen zirpen monoton, in der Ferne ragt der riesige, breite graue Kornsilo von Bandholm in die Höhe. Kornspeicher sind anscheinend die Kathedralen der Orte auf Lolland. Eine scheue schwarze Katze verschwindet 500 m entfernt von der schmalen geraden Straße ins Korn, ein einsamer Mann mit Hund geht stur und stumm längs des Weges vorüber, und hinter einem Haus am Weg dröhnt aus dem Garten Rockmusik, zu der dicker Qualm brennender alter Holzreste und Gartenmöbel in den Abendhimmel aufsteigt. Rauchzeichen der Prairie? Gemüse ist aber nicht zu finden. Die Nacht bleibt ruhig.

Der sechste Tag beginnt mit bestem Segelwetter und Rückenwind. Unter Nutzung unserer Hilfsbesegelung nehmen wir zunächst  Kurs auf den riesenhaften Silo von Bandholm, einem ehemals wichtigen Verladehafen für Getreide. Bald schon ändern wir unseren Kurs auf Nordost und queren weiter draußen in flotter Fahrt vor dem Wind laufend neben einigen Buchten auch die Ausfahrt des Saksköbing Fjordes. Bei Vestermark passieren wir eine Vogelinsel, an deren vorgelagerten flachen Stellen sich bei dem kräftigen Wind eine zunehmend unangenehme Welle aufbaut, in der unsere kleinen Boote mächtig arbeiten. Doch wir kommen ohne Havarie durch. Nach immer noch enorm schneller Dauerfahrt unter unserer Besegelung nähern wir uns der nördlichen Öffnung des Guldborgsundes, die wir auf nordöstlichem Kurs flott überqueren. Nach knapp einer Woche ‚Seereise‘ verlassen wir jetzt die Gewässer der Insel Lolland, welche uns wie ein kleiner Kontinent erschien. Vorbei an einigen Segeljachten, die sich an das ausgetonnte Guldborgsund-Fahrwasser halten, queren wir zur bewaldeten Nordostecke von Falster, unserer nächsten Insel, und legen in der sandig-flachen Lagune eines einsamen Strandes mit Schilf an. Der Blick zurück zeigt eine schnell aufziehende mächtige Gewitterfront, während unsere Boote noch nass in der Sonne glänzen. Am Strand liegen tote Vögel verstreut und eine fette Schlange kriecht durch das Gras…. Angesichts dieser bedrohlichen Vorboten suchen wir rasch den Schutz des nahen Waldrandes auf. Unter dem Blätterdach im Regenumhang kauernd lassen wir Gewitter und Schauer durchziehen, froh darüber, jetzt nicht in den Schaumkronen des von Böen gepeitschten Wassers kämpfen zu müssen. Als wir uns am frühen Nachmittag zur Weiterfahrt rüsten, ist der Himmel längst wieder klar. Doch der kräftige achterliche Wind bleibt beständig und bringt uns bald vor die nordwestliche Öffnung des Storströms, welcher Seeland von Falster trennt. So will und will die Fahrt dieses Tages nicht enden. Wir fahren südlich von Vordingborg durch die 1937 erbaute, 3200 m lange, etwas altertümlich anmutende Storströmsbroen in den Sund, die mit ihren drei Bögen als kombinierte Eisenbahn-Straßenbrücke damals zu den längsten Brücken Europas zählte. Wenig später passieren wir die neuere, hohe Brücke der Europastraße 47. Weiter in südwestlicher Richtung in den Grönsund hineinfahrend, zeichnet sich an Steuerbord der große Silo der Stadt Stubbeköbing neben der Silhouette ihrer vergleichsweise kleinen Kirche ab. Von diesem Ort fährt die historische Fähre „Ida“ über den Sund hinüber nach Bogö.

Längst neigt sich der Tag und am Abendhimmel künden erste Wolken eine Wetteränderung an. Dringend Zeit, eine Bleibe für die Nacht zu finden. Entlang eines aufgeschütteten langen Dammes zwischen den Inseln Bogö und Mön am Nordufer des Grönsunds paddelnd halten wir nebenbei Ausschau nach einer Durchfahrt, die für uns auf der Rückreise von Norden kommend von Bedeutung sein wird. Nachdem wir diese passiert haben, laufen wir in den nach Norden abzweigenden kleinen Fanefjord ein, der sich an Backbord von uns öffnet, vorbei an dem von Kormoranen dicht bevölkerten und wegen des Guanos völlig kahlen Eilands Malurtholm. Dessen würziger Fischgeruch bleibt hinter uns zurück, als uns am Ende dieses kleinen Fjordes der weiße Turm einer Kirche mit seinem markantem Treppengiebel von der Abendsonne beschienen entgegen leuchtet. Die Fanefjordkirche mit ihren mit biblischen Motiven bemalten historischen Deckengewölben wird sich als eine fast unerreichbare Schönheit erweisen. In ihrer Nähe suchen wir nach einem Übernachtungsplatz, der sich entsprechend einer Tourenbeschreibung der Zeitschrift „Kanusport“ hier befinden soll. Doch die stillen Buchten weisen nur kaum passierbare sumpfige Ufer und Schilfdickichte ohne jegliche Anlandemöglichkeit auf. Die Robustrinder auf den eingezäunten Weiden schenken uns keinerlei Beachtung. Wo sollen wir nur anlanden? Schon legt sich die Dämmerung auf uns, als wir uns dazu entscheiden, die Boote in einer Schneise des Schilfgürtels mit dahinter liegender Sumpfwiese ans Ufer zu ziehen. Methangeruch steigt aus dem Morast auf und jeder Fußabdruck hinterlässt eine wässerige kleine Grube; dies wäre kein Platz zum Zelten. Gemäß einem Hinweis in der oben genannten Tourenbeschreibung erklimmen wir müde die Böschung der Landstraße und nähern uns der Kirche. An einer Weggabelung findet sich ein kleiner selbstgebastelter hölzerner Wegweiser zu einer Unterkunft, die sich einige hundert Meter entfernt im rückwärtigen Garten von Pjeber’s Haus befindet. Im Halbdunkel erkennt man eine kleine Holzhütte, phantasievoll dekoriert, einen alten Wohnwagen, Bänke und den Bug eines Grönlandkajaks, der aus einer Scheune herausragt. Selbstgemalte Schilder weisen darauf hin, dass müde Radfahrer hier Unterkunft finden können. Eine Blechdose im Wohnwagen, in dem batteriebetriebene Glühlämpchen funzeliges Licht spenden, dient als Kasse, daneben liegt das Gästebuch. Die Hütte ist frei. Froh über diesen Unterschlupf lassen wir die Boote für die Nacht im Schilf zurück, schleppen die Packsäcke zu Pjeber’s Garten und richten uns bei Taschenlampenschein auf den schmalen hölzernen Liegen der kleinen Gartenhütte ein. Nun darf es regnen, und das wird es auch.

Zunächst scheint aber noch die Morgensonne des siebten Tages durch das kleine Fenster der Gartenhütte auf ein kleines Mobile. Pjeber hat seine Hüttenwirtschaft phantasievoll gestaltet, ein Moped-Außenspiegel am Waschbecken im Garten, ein Schild „Gangsti. Faerdsel med ladte jagtgevaerer og lösgaende hunde forbudt“ , eine Holzpalette als Tisch auf einer großen Astgabel und ein ausgesägter hölzerner Drachenkopf am Toilettenhäuschen sowie weitere Ausschmückungen zieren seinen Garten. Wir verabschieden uns, als es eintrübt und der Regen aus grauen Wolken herabrauscht. So begeben wir uns in die leere Fanefjordkirche und freuen uns über die trockene Zuflucht, bewundern die alten Fresken, die Deckengewölbe und Wände zieren, und schreiben Fahrtenbuch. Später besichtigt eine Gruppe Radfahrer in Regenzeug die Kirche. Als es etwas aufhellt, stapfen wir wieder in den Schilfsumpf, ziehen die Boote in den Fjord und verlassen diesen, um nach links in den Grönsund in Richtung offene Ostsee abzubiegen. Böiger Wind treibt von rechts vorne eine Regenbank nach der anderen heran, die kurze harte Welle schräg von vorne erschwert das Auslaufen aus dem Sund, so dass wir nur mühsam und langsam vorwärts kommen. Bei dem aufgegebenen Flintsteinwerk „Danflint“ wird es dann so kabbelig, dass die Wellen Großzehe immer wieder in die Brandung zu schieben drohen. Meter um Meter kämpfen wir uns in Regenschauern um die Südspitze von Mön herum; nun kommen Wind und Welle von der Seite. Am Mittag klart es wieder auf, und vor uns dehnt sich die weite Bucht der Südostküste von Mön mit Strand und Steilküste, in die beeindruckende Brandungswellen in endlosen weißen Streifen hineinlaufen. Wind und Welle stehen ungehindert auf die Küste und der Wirkweg des Windes (Fetch) reicht hier bis zum Darß, nach Rügen oder Bornholm. Einen Versuch Großzehe zu segeln scheitert, denn der Wind ist zu stark, aber Alberta hat das kleine Segel gesetzt. Mittags ziehen wir zu einer kleinen Pause die Boote ans Ufer und sitzen auf den Steinen, als uns zwei Dänen fragen, ob uns die Wellen etwas ausmachen – sie hätten schon einige Paddler aufgeben und ihre Kajaks den Strand entlang ziehen sehen. Bislang begegneten uns hier noch keine Paddler und auch am Strand sind nur vereinzelt Spaziergänger unterwegs. Das Ablegen in die Brandung wird in der Tat schwierig.

Der nächste Hafen am östlichen Ende der großen Hjelm Bugt ist Klintholm und auf dem Weg dorthin werden die Wellen immer länger und höher, richtige Berg- und Talfahrten auf graugrünen Hügeln sind es. Anfangs kann man noch gegen die Wellen ansingen, aber dann wird es ein schwieriger stummer Kampf. Anfangs noch vereinzelt brechende seitliche Kämme werden zur Regel und überspülen die Boote immer häufiger, manchmal klatscht das Wasser bis zum Kragen hoch oder von oben hinein und es ist gut, isolierendes Aquashell angezogen zu haben. In regelmäßigen Abständen müssen wir zwischen in Höhe der Wasseroberfläche (vom Eis ?) abgetrennten Pfählen alter Stellnetze hindurch fahren, deren Köpfe unvermutet in den Tälern zwischen mächtigen Wellenbergen auftauchen. Nur nicht auf ein solches Hindernis auflaufen, das gäbe Bruch und Verletzungen! Kormorane und einzelne Enten begegnen uns zwischen den Wellenkämmen, blicken uns kurz mit blanken Äuglein an und tauchen dann schnell weg oder flattern plump davon – das können wir nicht, sondern müssen uns in diesem Tanz halten. Immer wieder dreht Großzehes Bug gegen die brechenden Wellen an, um nicht von der Seite erwischt zu werden und zu kentern. Alberta gelingt dies wiederholt leider nicht schnell genug und der brechende Wellenberg verpasst dem Boot dann eine volle Breitseite und bricht sich mit weiß schäumenden Wasser über ihr. Seltsamerweise kentert Alberta nicht durch, sondern bleibt vermutlich wegen der in der Bilge verkeilten Konservendosen und Wasserflaschen aufrecht. Der Hafen von Klintholm rückt endlich näher. Mächtig rollen die Wellen gegen die Außenmole und die Gischt fliegt hinüber. Für uns gilt es, hier ja nicht zu kentern und auf die Steine gedrückt zu werden. Alles geht gut und wir gleiten durch das plötzlich ruhige Wasser der Hafenbecken mit vielen Segeljachten, die bei diesen Bedingungen nicht weiter können oder wollen und eine Wetterbesserung abwarten. Klintholm ist das Sprungbrett für die Überfahrt nach Bornholm und wir werden neugierig beäugt, während wir uns zwischen den Reihen großer und teurer Boote den Weg zu einer glitschigen Rampe suchen. Ein Segler begrüßt uns dort mit zwei Flaschen Bier: ‚Hier Jungs, das habt ihr euch verdient!‘ Man hätte uns von der Mole aus beobachtet – wir waren viel zu sehr mit den Wellen beschäftigt, um das zu bemerken. Durchnässt und erschöpft wie wir sind tun das Bier, trockene Kleidung und später eine heiße Dusche gut. Mit den Bootswagen ziehen wir die Kajaks zu einer Zeltwiese mitten am Hafen und bauen dort die Zelte auf – es gibt auch ein lustiges und praktisches rundes Holzgestell, das sich gut zum Sitzen und Trocknen der Klamotten eignet. Als einzige Zeltende werden wir wiederholt noch nach dem ‚Woher und Wohin‘ gefragt, auch mit der Frage, ob wir denn von Kiel bis Klintholm gepaddelt seien.

Morgens um 5 Uhr zieht am achten Tag ein kurzes, aber kräftiges Gewitter durch, Regen prasselt auf die Zeltwand. Im hölzernen Maschinen- und Windenhäuschen von Klintholms Hafen bleibt man trocken; hier blinken auch die Lämpchen der Computeranlage, man könnte sie recht einfach lahm legen. Im Schein der wärmenden Morgensonne lassen wir uns Zeit mit dem Trocknen der Zelte. Der kleine Hafen-Supermarkt stellt für uns die erste Einkaufsmöglichkeit auf unserer bisherigen Reise dar. Einen Ersatz für die im Smålandsfahrwasser verloren gegangene Sonnenbrille der Alberta bietet er zwar nicht, ermöglicht uns aber ein Frühstücken mit Croissants. Als um 12 Uhr das nächste Gewitter durchzieht, sitzen wir in einem Café. Am frühen Nachmittag beginnt dann der landschaftliche Höhepunkt unserer Reise, die Umrundung der bekannten Kreideklippen von Mön, die sich kilometerweit hinziehen. Glücklicherweise weht es nicht mehr so heftig, doch die achterliche Dünung des gestrigen Windes ist für unsrere Kajaks immer noch hoch und zwingt uns zur Achtsamkeit, als wir allmählich Möns Klint runden. Immer neue Zacken, weiß leuchtende Kreideabstürze mit Waldschluchten tauchen auf. Dort, wo es Treppen gibt, sammeln sich Menschen am Strand. Bei Sonne auf der langsam nachlassenden Dünung schaukelnd haben wir die schönste Aussicht. In Bächen stürzt mit Kreide vermischtes Regenwasser die Klippen hinab ins Meer und trübt es. Erst einmal am Grund abgelagert, verleiht es dem gelegentlich sonnenbeschienenen Salzwasser eine kräftige türkisgrüne Farbe – ein Südseegrün.

Nach Umrundung der Klippen zieht das nächste Gewitter auf und wir laufen erst einmal einen halb verwüsteten Shelterplatz an. Das ständige Unterspülen der See hat hier zu Abbrüchen der Steilküste geführt und dabei die Holzhütten zerstört. Über einen steilen Pfad gerät man nach oben in einen Wald, in dem sich unter düsteren Bäumen wenig einladend ein aufgegebener Zeltplatz mit einer Preistafel aus dem Jahr 2012 ausbreitet. Nachdem Regen und Gewitter durchgezogen sind, beschließen wir, entlang der einsamer werdenden Nordküste von Mön westwärts in die Abendsonne zu paddeln. Steilufer, Heide und Wald wechseln sich ab. Manche Bäume am Waldrand sind durch Vogelkot fast abgestorben, und beim Näherkommen lösen sich aus diesen Vogelbäumen ganze Schwärme von Kormoranen, die etwas träge fliegen. Abends legen wir an einem einsamen und steinigen Strand an, der ein kleines waldbestandenes Steilufer säumt. Hier spannt Großzehes Besatzung  die Plane eines Tarps auf und schaufelt im Geröll der stumpf geschliffenen flach-ovalen Steine eine flache Kuhle für die Isomatte zum Schlafen. Ein Mann in Oliv erscheint plötzlich in der Dämmerung.  Es ist kein Ranger, wie befürchtet, der uns vertreiben will, sondern ein „Nachbar“, der uns ein Feuerzeug abkaufen will (und es aus dem Bestand von Albertas Kombüse geschenkt bekommt), um zwei weite Buchten entfernt mit seiner Freundin angelnd die Sommernacht durchzuwachen. Nachts im Halbwachzustand erscheint vor den Augen ein grau-weißes Streifenmuster; es sind helle Baumstämme vor dem dunklen Laub des Waldes an der Kante des Steilufers.

Friedlich, still und warm präsentiert sich der neunte Tag. Morgens leuchten „Sonnenflecken“ am Strand, Stellen, an denen die Morgensonne durch den Wald auf die grauen Steine scheint – hier wird es schon früh warm. Der Esbitkocher erhitzt den obligatorischen Kaffeetopf. Später folgt ausgiebiges Baden. Warum kann das Wetter nicht öfter so sein? Erst am späten Vormittag verlassen wir den einsamen Platz und paddeln westwärts auf die Strände von Ulvshale zu. Ein einzelner Kajakfahrer passiert uns weit entfernt auf Gegenkurs. Nach Ulvshale wird das Wasser sehr seicht, Sandbänke mit vielen Seevögeln ziehen sich weit nordwärts in das Meer hinaus. Albertas Crew wäre hier gern außen um die Naturschutzgebiete herum und nahe Seeland durch den Bögeström gefahren, aber das ist ein zu weiter Umweg, zumal es jetzt wärmer und etwas schwül wird.

Bald müssen wir wegen des zunehmend flachen Wassers aussteigen und treideln. In der Rinne zwischen Mön und der der vorgelagerten kleinen Insel Nyord, die wir umrunden, haben wir das Gefühl, kaum mehr voranzukommen. Durch zähes Paddeln in dem boddenartig sehr flachen Gewässer mühen wir uns bei Gegenwind und Gegenströmung ab. Auf der Uferwiese steht eine Anzahl rotbrauner Bullen – und glotzt schon halb im Wasser stehend zu uns herüber. Also gilt es besser Abstand zu halten von den dänischen Kampfstieren. Halb verborgen im hohen Gras sitzt ein großer Greifvogel, wahrscheinlich ein Fischadler. Am Sandstrand des idyllischen Dorfes Nyord pausieren wir bei schönstem Sommerwetter und bestaunen rotgelbe Häuschen mit liebevoll gepflegten Blumengärten und einer hübschen Kirche. Die Badenden des kleinen schilfgesäumten Strandes zurücklassend queren wir bald darauf den Ulvsund nach Kalvehave auf Seeland, wodurch wir den Weg durch die ausladende Bucht von Möns Hauptort Stege abschneiden. Die Königin-Alexandrine-Brücke zwischen Seeland und Mön mit ihren neun Bögen ist deutlich zu erkennen. Sie ist technisch gesehen eine Bogenbrücke mit aufgeständerter Fahrbahn und einem zentralen Fachwerkbogen. Im Jahre 1943 eröffnet, gilt sie als schönste Brücke Dänemarks. An der grasbewachsenen Mole nahe des ehemaligen Fährhafens legen wir an einem Holzponton an und bauen direkt auf dem Damm Kostervej unsere Zelte auf – die Anlage ist heute Teil eines weitläufigen Campingplatzes. Mit der Anmeldung bei der Rezeption (wir kommen ja von der Wasserseite und damit nicht durch die Schranke), der Abwehr vieler Mücken, dem Waschen der Wäsche im rumpeligen Waschhäuschen und einer Unterhaltung mit einem schwedischen Radler auf dem Weg von Göteborg nach Berlin geht der Tag zuende. Als die Abendsonne sich in orangenem Licht unter dem Brückenbogen abseilt, fallen auch unsere Augen zu.

Unter den hohen Bögen der Alexandrine-Brücke hindurch nehmen wir am Morgen des zehnten Tages in ruhigem Wasser Kurs auf die Insel Bogö. Etwas Blaues treibt auf dem Meer, ein Gasluftballon mit anhängender Karte und Bitte um Nachricht, der innerhalb eines Tages aus Nordfrankreich bis hier geweht ist. Später wird Großzehes Besatzung diese Karte absenden. Auf der gesamten Fahrt fanden wir insgesamt vier Ballons treibend oder am Strand – eine besondere Art der Meeresverzierung oder -verschmutzung. Bei leichtem Rückenwind nähern wir uns mit vollen Segeln dem Damm zwischen Bogö und Mön, den wir ja auf der Hinreise schon von der anderen Seite aus begutachtet hatten. Ein Durchlass ermöglicht es uns, ohne auszusteigen wieder in den Grönsund zu gelangen und diesen hinüber zur Insel Falster zu queren. Im Bereich der östlichen Öffnung des Grönsundes in die Ostsee sehen wir am gegenüberliegenden Mön-Ufer wieder das aufgegebene Flintsteinwerk, das nun im lieblichen Sonnenschein ganz anders wirkt als vor zwei Tagen in Wind und Regen. Auch der rotweiße Leuchtturm auf unserer Seite, der nordöstlichen Ecke von Falster, wird von der Sonne beschienen und bald passieren wir das Kap Hästhuvud (Pferdekopf). Der Wind schläft ein. Alberta behagt das gar nicht, da sie sich bei diesen Bedingungen paddelnd im Vergleich zu anderen Booten nur langsam vorwärts bewegt. In diesem Tempo werden wir heute bestimmt nicht mehr Gedser erreichen. Sind wir doch bestrebt, diese offene und ungeschützte Küste so schnell wie nur möglich hinter uns zu lassen, bevor der nächste stärkere Wind wieder Riesenwellen aufbaut. Doch die See wird glatt und liegt weit wie ein grausilberner Spiegel unter dem nun bedecktem Himmel, durch den es sich träumend, manchmal fast traumschlafend, paddeln lässt. Es wird ganz still, keine Boote oder Schiffe sind in Sicht, nur an der Kimm steigt eine dünne Rauchfahne auf. Wenn nun ein grinsender Ostseedrache mit schuppigem Ringelschwanz aus dem Silbergrau auftauchte, würde das niemanden wundern. An Backbord die offene Ostsee, zeigt der Blick nach Steuerbord stundenlang einsame bewaldete Steilküsten mit allmählich herabrutschenden und hinuntergestürzten Bäumen, es ist die nordöstliche Küste von Falster.

Da schiebt sich am Himmel langsam ein dunkles Ufo heran. Nein, es ist ein kräftiger Strudel dunkler Wolken, und bald darauf setzt auch schon ein kräftiger Regen mit Nordostwind ein, die Stille ist vorbei. Wir setzen Segel, Alberta fühlt sich wieder wohler, und wir fliegen mit zunehmendem Rückenwind bei sich aufbauendem Seegang der Südspitze von Falster, Gedser Odde, entgegen. Großzehe gewinnt etwas Vorsprung, doch dahinter folgt bald das helle Segel von Alberta in den Regenflagen. Die urwüchsigen Steilküsten liegen hinter uns, an den den langen Stränden des sich über viele Kilometer erstreckenden Feriengebietes Marielyst sieht man kaum Menschen. Und auch für den einsamen Wächter auf dem rot-gelben Strandrettungs-Turm sind wir fliegenden Seekajak-Holländer wohl das Ereignis des trüben Nachmittages. Abends umrunden wir die Südspitze der Insel Falster, Gedser Odde, wo Betontrümmer alter Geschützstellungen auf dem Strand liegen. Es wird bereits dunkel, als der Fährhafen von Gedser vor uns liegt. Vom Boot aus ist nicht erkennbar, wo sich der Lagerplatz mit offenen Blockhütten („Sheltern“) befindet. So landen wir nach Intuition an und befinden uns zufällig direkt unterhalb des Lagerplatzes, so dass wir die Boote nur über Damm und nasse Wiese dorthin transportieren müssen. Eine Anzahl von Radlern, die mit der Fähre von Rostock kommend auf dem Berlin-Kopenhagen-Weg unterwegs sind, übernachten ebenfalls in den Sheltern oder zelten hier. Von der Mückenplage einmal abgesehen, ist es eine ruhige Nacht. Dank des Rückenwindes konnten wir an diesem zehnten Tag erneut ein Etmal von über sechzig Kilometern auf dem Wasser zurücklegen. So steht uns für den morgigen Tag nur noch die letzte Etappe zurück zum Ausgangshafen, Nysted, bevor, wenn es denn das Wetter zulässt.

Also legen wir am elften Tag gegen 11 Uhr von Gedser ab und erkennen schon bald weit draussen die Sandbänke von Rödsand wieder, die mit ihren großen Windrädern hell in der Sonne schimmern. Nur einen Tag später werden wir mit dem Auto nach Gedser zurückkehren und das Meer an der Südspitze von Falster von Sturmböen aufgewühlt sehen, die die Gischt fliegen lassen. Doch heute haben wir Glück, folgen der Steilküste, in der Uferschwalben nisten, nordwärts und queren dann über den südlichen Ausgang des Guldborgsundes nach Lolland hinüber, wo wir eine von Seehunden bevölkerte flache Bucht mit vielen großen Steinen kilometerweit umfahren. Dennoch geraten wir in die Nähe von Seehunden. Ein scheinbar noch nicht so erfahrenes Tier versucht wiederholt, auf einen glitschigen Stein zu robben, von dem es immer wieder hinunter rutscht. Damit beschäftigt, bemerkt es die lautlos unter Segeln herangleitende Alberta erst spät. Es zieht sich sogleich ins sichere Wasser zurück, um von dort alsbald den Kajaks neugierig hinterher zu blinzeln. Viele Arten von Seevögeln wie Möwen, Enten und Kormorane, sind um uns herum.  Entlang der Bucht halten wir  ständig Ausschau nach Steinen, um nicht jetzt noch auf Grund zu laufen und die Kajaks zu beschädigen. Während wir uns Nysted nähern, zieht über dem Rödsand das nächste Unwetter auf.  Die Mühlen des Windparks verschwinden hinter einem regengrauen Vorhang, glücklicherweise bekommen wir nur den Rand der Regenfront ab. So laufen wir um viele Eindrücke bereichert wieder die Bucht von Nysted ein, nun mit der pyramidenförmigen grauen Bake an Backbord. Langsam paddeln wir nun bei Sonnenschein in den beschaulichen Hafen hinein. Die Umrundung der drei großen Inseln Lolland, Falster und Mön gelang uns in elf Tagen, in denen das Gras unter den geparkten Autos hoch gewachsen ist. Auspacken, Trocknen der Ausrüstung und Aufladen der Boote folgen; Segler aus Kiel bewundern fachsimpelnd die selbstgebaute Besegelung von Alberta. Wir quartieren uns auf einem gewöhnlichen Campingplatz zwischen lauter Wohnmobilen ein.

An den folgenden zwei Tagen schauen wir uns zu Fuß und per Auto die Umgebung an. Wir schlendern durch das verträumte Nysted mit dem Besuch einer Sammlung von Schiffsbildern und eines Museums im alten Rathaus. Später lassen wir uns in der alten Eisenbahnremise von Gedser von zerfallenden Waggons, Dampf- und Dieselloks und mächtigen Schraubenschlüsseln in längst vergangene Zeiten versetzen. Bei Gedser Odde können wir eine Kegelrobbe beobachten und mit leichter Beklemmung fasziniert die stürmische See bestaunen, dort wo wir mit unseren kleinen Booten noch kurz zuvor paddelten. Auch im mittleren Bereich des Guldborgsundes sind wir noch einen halben Tag paddelnd unterwegs, brechen allerdings ab, als selbst in dem dort unter Landabdeckung stehenden Gewässer der Wind zu stark wird. Und Achtung, aus dem Mittelaltermuseum von Nyköbing/Falster werden Steine mit großen Bliden, Wurfmaschinen, in den Sund geschleudert, was zu respektvollem Abstand nötigt ! Diese letzten Tage sind Ausklang der Inselträumerei, die mit einer windigen Überfahrt mit der Vogelfluglinie endet; die Fähre stampft durch die See und die Gischt hüllt den Bug ein.

Anhang; betrifft Boote und Ausrüstung: Großzehe (Grönländisch = putugoq, mit Erwerb des Gebrauchtbootes übernommener Name) ist ein ca. 25 Jahre altes Lettmann Nordstern GFK-Seekajak mit ausklappbarem Steuer, für diese Fahrt zusätzlich ausgestattet mit einem Pacific Action Segel, dessen Mastfuß auf das Vorschiff aufgeschnallt werden kann. Betr. Sicherheit: Paddelfloat, Pumpe, Leine, Notsignal (Nico-Leuchtmittel), Schwimmweste, Handy wasserdicht verpackt. Dank großen Stauraums lassen sich Campingausrüstung, Wassersack, Bootswagen gut im Inneren des Lettmann Nordstern unterbringen. Seekarten verkleinert auf wasserfestem Papier ausgedruckt, Deckskompass. Aquashell und Regenkleidung haben sich bei dieser dänischen Sommertour bewährt. Alberta war in ihrem früheren Leben ein Robbe 1 – Kajak des Herstellers Willy Neumann aus Raunheim im Raum Frankfurt/Main. Nach mehreren Umbauphasen ist kaum noch etwas original. Der gesamte Rumpf wurde verstärkt. Das Boot erhielt eine völlig andere Steueranlage mit Fußpedalen und einem außen am verkürzten Heck angehängten aufholbaren Ruderblatt. Im vorderen Bereich wurde Alberta verlängert und ihre Nase deutlich angehoben, so dass das Boot nicht mehr so stark in die Wellen einschneidet, sondern trockener drüber hinweg gleitet. Ein Spritsegel an einem kleinen Mast stabilisiert mehr als dass es Vortrieb bringen würde. Zusätzlich hat das Boot ein kleines Steckschwert, so dass die seitliche Abdrift bei Wind im Vergleich zu anderen Kajaks erheblich verringert ist und Alberta insgesamt stabiler im Wasser liegt. Nach den ganzen Umbauten ist der Rumpf natürlich nicht mehr so glatt wie im Original. Dies und die Unterwasseranhänge wirken sich negativ auf die Geschindigkeit aus. Alberta ist nach den Umbauten durchaus seetüchtig, aber nicht mehr ganz so schnell.

 

Strandtag in Klitmöller

Was den Windsurfer zur Verzweiflung treibt, kann für Seekajak- und Stand-up-Paddler durchaus erbaulich sein – tagelange Flaute, Sonnenschein und 25°C bei einem der beliebtesten Big-Wave-Surfspots Dänemarks.

Bei entsprechend kleinen Wellchen, welche stellenweise relativ sauber über Sandbank und Schorre liefen, konnte so bei strahlend blauem Himmel etwas geübt werden 🙂

So kamen also auch die folgenden Bilder zustande, welche dankenswerter Weise von A. Kühn vom SUP aus aufgenommen wurden (für größere Ansicht die Bilder anklicken ;-)).

 

 

Brrrr…. ist das noch kalt

Ab etwa Mitte Mai und im Sommer freuen wir uns darüber, endlich ohne Trockenanzug zu paddeln, und die Strände füllen sich mit Badenden. Die graue kalte Jahreszeit ist schnell vergessen. Sie kommt aber wieder, und dann wird das Thema Kälteschutz wieder aktuell.  Auch in der Übergangszeit, so im April,  kann die warme Lufttemperatur an schönen Tagen über die noch kalte Wassertemperatur der Ostsee von 10 Grad (oder weniger) hinweg täuschen. Mittlere Temperaturen der westlichen Ostsee zeigt die Grafik (Quelle: Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie; http://www.bsh.de/de /Meeresdaten/Beobachtungen/MURSYS-Umweltreportsystem/Mursys_031/seiten/oswitt01.jsp).

An solch schönen Tagen im April sieht man alle Variationen der Bekleidung auf der Kieler Förde: Manche Ruderer sind schon in T-Shirts und Shorts unterwegs, neben in Trockenanzügen schwitzenden Paddlern und SUP’lern in dicken Neoprenanzügen. Zur Abkühlung werden dann gern die Unterarme ins kalte Wasser getaucht. Bei einer Kenterung in kaltem Wasser kann es ernst werden. In der Vereinszeitschrift des HDK (Paddelblatt 78, 2016) berichtete dazu ein Mitglied über das Erlebnis einer Kenterung mit dem Seekajak im 7°C kalten Wasser der Kieler Förde. Bei Windstärke Stärke 6 Beaufort aus West, bekleidet mit einem zweiteiligen Aquashell-Anzug (entspricht etwa 3 mm Neopren), Surfboots, Paddelregenjacke, halbautomatischer  Rettungsweste (Secumar), geschah dies vor der Spundwand des Kieler Yachtklubs. Nach vergeblichen Versuchen des Wiedereinstiegs und Aufgabe des Bootes gelang es dem Gekenterten nur mit Mühe und fremder Hilfe auf den letzten Metern, das Ufer schwimmend und unterkühlt zu erreichen. Auch auf die Kenterrolle, die unter Übungsbedingungen beherrscht wird, kann man sich im „Ernstfall“ nicht unbedingt verlassen.

Ein Trockenanzug ist für Fahrten auf der Ostsee im Winterhalbjahr sinnvoll, und auch  in der Übergangszeit sollte man noch an Kälteschutz denken, besonders bei Wind und Wellen und bei Alleinfahrten. Die Wärmeleitfähigkeit von Wasser ist etwa 25 mal höher als die von Luft , die wegen ihrer schlechten Wärmeleitung isoliert (daher „Trockenazug“). Das kalte Wasser entzieht die Wärme rasch, wenn es am Körper vorbei strömt und so die Wärme ständig mitnimmt. Das Tragen von Schutzkleidung und das Zusammenkauern beim Treiben im kalten Wasser vermindern die Wärmeverluste. An kalter Luft, also an/auf einem gekenterten Boot, ist man zwar noch besser dran als im Wasser, aber dann droht bei ablandigem Wind das Abtreiben. In der Gruppe sind wir Paddler besser abgesichert als bei Alleinfahrten; das Aufrichten und Entleeren des Bootes und den Wiedereinstieg mit fremder Hilfe kann (und sollte) man im Sommer zusammen üben. Pumpe und Paddelfloat sind dabei nützliche Hilfsmittel.

Ein lesenswerter Artikel zur Problematik der Unterkühlung findet sich in der DKV-Zeitschrift Kanusport, Jahrgang 2009, Heft 11 (zu finden in der Vereinsbibliothek). Wenn man ohne Schutzkleidung in Wasser fällt, das kälter als 15 Grad ist, entsprechen demnach die Minuten der so genannten Nutzzeit etwa der Wassertemperatur (bei 7 Grad Celsius also 7 Minuten). In dieser Nutzzeit kann man noch selbständig handeln, also den Wiedereinstieg ohne fremde Hilfe versuchen; danach ist man auf fremde Hilfe angewiesen. Die Überlebenszeit bei einer Wassertemperatur von 7 Grad beträgt etwa eine Stunde, aber man ist deutlich früher erschöpft und nur sehr eingeschränkt handlungsfähig.  So schön es auf dem Wasser im Winter und in der Übergangszeit sein kann (Foto: Lanker See mit Eisdecke), den Kälteschutz sollte man dabei nicht vergessen.

 

Feierabend auf der Kieler Förde

Ein sonniger Tag mit leichtem Wind aus Nordost. Drum schnell die Bürotür zumachen und zum Bootshaus radeln – und ab auf’s Wasser!

Diesen Gedanken hatten wohl recht viele, denn überall sind Leute am Strand und im Wasser, in Motor- und Segelbooten unterwegs, und sogar der Fördedampfer ist voller Ausflügler.

Nach einem gemütlichen Eisessen am Strand von Kitzeberg geht es wieder heimwärts mit leichtem Schiebewind, vor mir die Kulisse von Kiel

Blick über die Förde zur Kieler Innenstadt

Auf der Hagener Au

Für den 18.03. hatte der GWW Preetz (http://www.gww-preetz.de) eine Wanderfahrt auf der Hagener Au ausgeschrieben. Dass es keine ganz einfache Tour würde, konnte man anhand der Beschreibung erahnen: „Kleinfuss mit Hindernissen, keine Faltboote, nicht für Anfänger!“.
Nachdem ich mich für die Tour angemeldet hatte, konnte mich denn auch nicht der Orkan aufhalten, der am Tag vorher über die Probstei fegte und auch den schneidenden Ostwind tat ich mit dem Gedanken ab „Der Bach liegt ja tief und geschützt, da kommt der Wind schon nicht hin“.
Wie sich herausstellte konnten sich nur drei weitere Paddler zu diesem winterlichen Abenteuer durchringen, darunter der Organisator Andreas. Und so begann unser Kampf mit den Elementen zu viert.
Nachdem wir nach einer halben Stunde dreimal ausgestiegen waren und unsere Boote durch den Wald an den umgekippten Baumstämmen vorbeigetragen hatten, war die Stimmung noch gut. Es ist wirklich hübsch, wie sich die Hagener Au durch das Wäldchen schlängelt und dass wir ab und zu aussteigen müssten war uns ja vorher klar gewesen. Manche Hindernisse konnten wir auch überwinden, ohne aus dem Boot zu klettern. Platt mit dem Rücken auf dem Heck des Bootes liegend kann so mancher Baumstamm und so manche Brücke unterquert werden, aber immer gut auf die Nase aufpassen! Andere Stellen konnten wir mit einem mutigen Anlauf überspringen oder uns mit von Dornen blutigen Händen durchs Geäst ziehen.
Bei Temperaturen von knapp über Null lassen die Kräfte allerdings irgendwann nach und besonders das ständige Aussteigen ist anstrengend, der Waldboden morastig, die Ufer teilweise gefroren und der Ostwind kommt auch an dem geschützten Bach immer mal wieder durch.
Nach zweieinhalb Stunden haben wir die ersten drei Kilometer bis Probsteierhagen hinter uns gebracht. Hier mussen wir raus und die Mühle umtragen. „Unseren Schnitt sollten wir auf dem restlichen Stück ein bischen verbessern“, meint Andreas. Klar, da sind ja bestimmt jetzt nicht mehr so viele Bäume.
Nach der Mühle in Probsteierhagen nimmt die Au Fahrt auf und wir müssen nun höllisch aufpassen, um rechtzeitig einzuschätzen, ob das kommende Hindernis überwunden werden kann, oder ob man besser den Rückzug antreten sollte, bevor die Strömung einen ins Geäst oder vor den Baumstamm drückt.
Einmal gelingt dies nicht und so gab es eine Kenterung mit unterm Baumstamm Hängen im eisigen Wasser. Unangenehm, aber weiter gehts.
Dann gab es tatsächlich ein paar Stellen, an denen man mal ein paar hundert Meter vorankam, ohne aussteigen zu müssen. In Lutterbek noch einmal umtragen und dann auf die Zielgerade. „In Lutterbek wohnen viele nette Leute“, erzählt Andreas grad, als eine dicke Pappel quer über dem Fluss liegt. Also aussteigen und schauen, wo wir wieder einsetzten können. Doch dahinter ist gleich das nächste Hindernis: mehrere Baumkronen mit reichlich Geäst liegen nebeneinander im Wasser. Hier ist kein Durchkommen mehr, finden wir, und da es schon deutlich später ist, als gedacht, und da so manch einer ziemlich doll friert, beschließen wir, unsere Tour abzubrechen.
Wir haben Glück, dass zufällig gerade der nette Lutterbeker, dem das Grundstück gehört, auf dem wir gestrandet sind, vorbeikommt und uns vorschlägt, die Fahrer zu ihren Autos nach Stein zu bringen. Gesagt, getan und so endete unsere schöne Tour auf der Hagener Au etwas vor dem eigentlich geplanten Ende.
Alles in Allem wäre die Hagener Au ein wirklich toller Paddelfluss in schöner Landschaft. Wenn da nur nicht die vielen Hindernisse wären…