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Home > Aktivitäten > Touren > Ostschwedische Schären 2007

Im ostschwedischen Schärengarten, Sommer 2007

in den SchaerenIn diesem Jahr sollte es endlich mit dem Kajak nach Skandinavien gehen, nachdem im Vorjahr durch ungünstige Urlaubsplanung „nur noch“ eine Tour in Kroatien mit Abstecher nach Venedig möglich war. Unschlüssig ob ich lieber in die norwegischen Fjorde oder schwedischen Schären fahren wollte, begann ich eine Suche in einschlägigen Internetseiten. Im Seekajakforum gab es zwar einige interessante Tipps, aber leider war die Mitpaddelseite in diesem Jahr eingestellt worden. Schließlich fand sich im Globetrotterforum ein Mitreisegesuch für eine Tour in den ostschwedischen Schären. Obwohl schon ein halbes Dutzend Antworten vorhanden waren, schickte ich eine vorsichtige Anfrage. Kurz darauf erhielt ich von einer Verena aus Hamburg die Einladung mich der bereits fertig geplanten Tour zwischen Västervik und Oxelösund anzuschließen. Bislang hatte nur ein Interessent für die zweite Woche fest zugesagt. Nach einer kurzen Treffen zum kennenlernen verabredeten wir uns zum Tourstart bei einen Kajakvermieter 10km südlich von Västervik.

in den SchaerenDrei Wochen später ging es los. Ich war etwas in Sorge wegen Überlänge des Bootes auf dem Dach meines Kleinwagens. Mangeln dänischer und schwedischer Sprachkenntnisse konnte ich weder über Google noch beim ADAC herausfinden, ob dieser Transport dort zulässig ist. Trotzdem machte ich mich Freitagabend auf den Weg. Am nächsten Tag erreichte ich problemlos Västervik und nach kurzer Suche auch den Zielpunkt. Der Kajakverleih entpuppte sich als Privathaus eines liebenswürdigen Ehepaars, das mich freundlich auf deutsch begrüßte. Verena war schon dort und hatte das gut ausgestattete Privatboot des Vermieters für die Tour bekommen. Obwohl ich mein eigenes Boot mitbrachte, bot man mir nicht nur Hilfe beim Bootstransport zum Wasser, sondern auch noch einen kostenlosen Parkplatz auf dem Grundstück an. Das ist echte Gastfreundschaft.

Knapp zwei Stunden später saßen wir im Kajak und fuhren gen Norden. Bei trübem Wetter wollten wir noch zehn Kilometer vor der Nacht zurücklegen. Auf halber Strecke ertönte hinter uns ein kräftiges Schnauben. Eine Robbe war etwa 20 Meter hinter uns aufgetaucht und betrachtete uns neugierig. Leider erwies sich das Tier als fotoscheu und tauchte immer ab, bevor die Kamera bereit war. Auch am nächsten Tag erschien eine Robbe in unserer Nähe. Danach waren wir offenbar als harmlos eingestuft und die Tiere verzichteten auf eine weitere Beobachtung. Nachdem eine nette, grasbedeckte Insel wegen der Anwesenheit von Kühen nicht als Übernachtungsplatz in Frage kam, mussten wir uns in der ersten Nacht mit einer felsigen und mückenbevölkerten Insel begnügen.

SchaerenDer nächste Morgen brachte dann auch noch Nebel. Nachdem wir den Kurs mangels Kursdreieck nur grob aus der Seekarte entnommen hatten, brachen wir trotz der verminderten Sicht auf. Um die Mittagszeit hatte die Sonne den Nebel besiegt und verteidigte den Himmel an den folgenden Tagen erfolgreich. Bei schwachem Wind kamen wir gut voran und überholten sogar die wenigen Segler, die ohne Motorhilfe unterwegs waren.

Der Tagesablauf hatte sich nach kurzer Zeit fest eingespielt. Nach einem morgendlichen Bad in der Ostsee und einem gemütlichen Frühstück wurden die Zelte abgebaut und die Kajaks gepackt. Meist fuhren wir etwa um halb elf ab. Mit einem Zwischenstopp am frühen Nachmittag paddelten wir bis etwa fünf Uhr nachmittags.

Die Auswahl schöner Übernachtungsinseln gelang meist schon anhand des Kartenbildes, wenn wir kleine, bewaldete Inseln mit kleinen Buchten an der Leeseite ansteuerten. Dort angekommen wurden die Zelte aufgebaut. Dabei entwickelte ich den Ehrgeiz, mein winziges Zelt auf weichem Untergrund mit Heringen aufzubauen, was für die größeren Zelte meist nicht möglich war. Nach dem Zeltaufbau haben wir meist die „eroberte“ Insel besichtigt, manchmal nochmals gebadet und das Abendessen bereitet. Gegen neun Uhr wurde es Mitte August schon dunkel. Hatte man eine Insel besetzt, so wurde dies von anderen akzeptiert, so dass wir die Inseln (bis auf eine Ausnahme) allenfalls mit einer Schafherde teilen mussten. Leider konnte man den Inseln nicht ansehen wie viele Mücken dort lauerten. So konnte eine bewaldete Insel mit zahlreichen Wasserlöchern fast mückenfrei sein, während eine felsige Insel in den Außenschären nur unter großzügigen Einsatz von Autan bewohnbar war.

SonnenuntergangAm vierten Tag erreichten wir mit Gryt die erste Ansiedlung mit einem Supermarkt, wo wir unsere Vorräte ergänzen konnten. Für den Weg nach Norden hatten wir uns eine Route nahe am Festland ausgesucht. An den oftmals eher schmalen Durchfahrten zwischen den größeren Inseln lagen zahlreiche Ferienhäuser, die fast alle in traditionellen rot-weißen Stil gehalten sind. Neuere Bauten waren oft nur an den größeren Fensterflächen erkennbar. Allen gemeinsam war jedoch der weiße Flaggenmast mit goldener Kugel, an dem ein schwedischer Wimpel wehte.

Am Ende der Woche frischte der Wind deutlich auf und es gab kurze
Regenschauer. Wegen des Starkwindes mit Stärke sechs aus West mussten wir den für den Reservetag geplanten Besuch in Oxelösund aufgeben und uns im Windschatten der zahlreichen Inseln nach Nordwesten vorkämpfen.

Als Halbzeitziel der Tour war Nävekvarn festgelegt, wo wir mit Tom verabredet waren, der uns bei der Rückfahrt nach Västervik begleiten wollte. Dort angekommen kam auch schon bald eine schwer bepackte Gestalt mit Faltboot auf dem Rücken entgegen.

faltbootAm Nachmittag brachen wir nun zu dritt auf. Der Wind hatte zeitweise Stärke 7 erreicht. Tom erwischte mit seinem Feathercraft-Faltboot einen schwierigen Start, hielt aber gut mit. Die Rückfahrt wollten wir in den äußeren Schären machen. Die Inseln sind dort kaum noch bewaldet. Der Fels ist auf den unteren zwei bis drei Metern durch die Wellen vom Flechtenbewuchs freigehalten und zeigt interessante Formen und Farben. Teilweise gibt es große, von den Gletschern glattpolierte Flächen (der schwedische Strand), teilweise Felsschichtungen in grauer, rötlicher und schwarzer Farbe, deren weichere Anteile tief ausgewaschen sind. Der Wind nahm auf der Strecke langsam ab und drehte über südliche auf östliche Richtung. Am dritten Tag des Rückwegs erreichten wir niedliches Fischerdorf namens Harstena. Leider war dort das Saisonende auf Mitte August festgesetzt, so dass Kiosk, Restaurant und Bäckerei schon geschlossen waren. Immerhin waren auf der Karte der Insel zwei Wasserstellen verzeichnet. Ich hatte einen Wasserhahn erwartet, aber der Wegweiser zeigte auf einen kleinen Pfad in den Wald, wo wir eine klassische Schwengelpumpe vorfanden. Mit aufgefüllten Wasserkanistern machten wir uns wieder auf den Weg.

Die Nacht verbrachten wir auf einer kleinen Insel am östlichen Rand der Schären. Die Wassertemperatur betrug dort nur etwa 16 Grad, so dass das morgendliche Bad recht kurz ausfiel. Da wir bereits in der ersten Woche bei einem Fischer leckeren Räucherfisch gekauft hatten, legten wir auf den Rückweg wieder an einer kleinen Fischerinsel an. Dort erwartete uns ein altes Fischerpaar, das sich sichtlich über den Besuch freute. Die beiden alten Leute waren jeweils mit einem Rollator zwischen den Hütten unterwegs. Von Verena, die akzentfrei schwedisch spricht, erfuhren wir später, dass das Paar erst seit ihres 80. Lebensjahr den Winter in einer Stadtwohnung verbringt. Der alte Fischer holte aus einem Netz drei Plattfische, die er erst am Vomittag gefangen hatte, und verkaufte sie ausgenommen und geputzt für einen geringen Betrag.

SchaerenAm Ende der Tour holte uns der Nebel wieder ein. Windstille und Sichtweiten von 500 bis 1000 Meter an einem ganzen Tag führten zu einer besonderen Stimmung auf dem Wasser. Endlich konnten wir einen Seeadler in nur etwa 100 Meter Höhe beobachten, während die Adler sonst nur hoch am Himmel ihre Kreise drehten. Auch ohne Nebel waren für die Navigation zwischen den Schäreninseln detaillierte Seekarten und ein Kompass (der in heimischen Gewässern her zur Abgrenzung von den Schönwetterpaddlern dient) unentbehrlich. An diesem Tag mussten wir unsere Position mehrfach anhand des Küstenverlaufs neu erraten. Am Nachmittag erhöhten Taxiboote aus Västervik die Spannung. Sie rasten mit Radarhilfe trotz des Nebels zwischen den Inseln umher. Bei näherkommendem Motorengeräusch wussten wir manchmal nicht, ob die Boote direkt auf uns zuhielten oder hinter der nächsten Insel entlangfuhren.

SchaerenFreitagmittag erreichten wir Västervik bei wieder sonnigem Wetter und machten einen kurzen Stadtrundgang. Tom wollte am Samstag sein Faltboot in Ruhe trocknen und verließ uns kurz hinter Västervik. Wir nutzten den verbleibenden Tag zu einer kleinen Runde südlich der Stadt. Als wir fast auf die Minute zwei Wochen nach der Abfahrt wieder bei den Autos ankamen, ging eine wunderbare Tour zu Ende, die uns knapp 300km durch die ostschwedischen Schären geführt hatte. Meine „Reiseleiterin“ Verena hatte die Tour nicht nur gut vorbereitet und Orts- und Sprachkenntnisse mitgebracht, sondern erwies sich als sehr angenehme Begleiterin. Auch die Reisezeit war glücklich gewählt. Wir hatten angenehme Wassertemperaturen, viel Sonne, wenig Regen und auch der Wind blies häufiger von hinten als von vorn. Zudem war der Urlaub trotz der Fahrtkosten sehr günstig.

Mit etwa neun Stunden Fahrtzeit (auf meist wenig befahrenen Strecken) liegt die Gegend zwar nicht „um die Ecke“, lohnt aber diesen Weg. Ab Anfang August, wenn die Urlaubszeit in Schweden vorüber ist, trifft man nur wenige Segler und Kajakfahrer und kann die faszinierende Natur genießen.

von Stephan Wolff


 

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  Sitemap    Letzte Änderung: 03.03.2008   webmaster @ hdk-kiel.de   Impressum